Foto: André Wilms

Die altgediente Westfalenhalle in Dortmund hatte am 04. Februar 2018 illustren Besuch: Die irisch-amerikanische Folk-Punk Band machte Station in Dortmund. Und mit im Schlepptau hatte die Band die befreundete Band Flogging Molly und Glen Matlock, seines Zeichen Gründungsmitglied der legendären Sex Pistols.

Drei Bands an einem Abend – es war kein Wunder, dass der Konzertabend bereits um 19 Uhr begann. Natürlich eröffnete Glen Matlock, der allein mit seiner Akustikgitarre ausgestattet ein wenig verloren wirkte auf der großen Bühne, die bereits für den nachfolgenden Gig von Flogging Molly vorbereitet war. Sicher, das Publikum in der gut gefüllten und fast ausverkauften Westfallenhalle war wegen der beiden größeren Top Acts angereist, gleichwohl erntete Glen Matlock durchaus respektablen Applaus für seine leidenschaftliche Vorstellung, die gut eine halbe Stunde dauerte.

Wie sehr allerdings die Westfalenhalle abgehen kann, wurde mit dem Aufritt von Dave King und Co. deutlich. Schon mit den ersten Tönen von ‚The Hand of John L. Sullivan‘ erklamm die Stimmung im Rund neue Dimensionen. Im Nu hatte Flogging Molly die Meute im Griff und ließ sie auch nicht mehr los. Frontmann Dave King war kaum zu bremsen, lieferte eine hervorragende Show, aber auch seine Bandmitglieder überzeugten auf ganzer Linie. Nathen Maxwell am Bass sowie Matthew Hensley am Akkordeon machten auf der linken Seite der Bühne eine gute Figur, rechts wirbelten Robert Schmidt am Banjo sowie Dennnis Casey an der E-Gitarre. Letzterer ging total in der Musik auf. Immer wieder reckte er seine Arme nach oben und klatschte, grinste ins Publikum und hatte sichtlich seinen Spaß. 
Einzig Geigerin Bridget Regan ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen, spielte sie doch seelenruhig ihre Parts. Nach 13 Songs war der Auftritt der ‚peitschenden Molly‘ vorbei. Es war ein Auftritt, der eines Headliners absolut würdig war. Große Klasse.

Es war also an den Dropkick Murphys, diesen guten Auftritt zu toppen. Keine leichte Aufgabe. ‚The Lonesome Boatman‘ vom aktuellen Album „11 Short Stories Of Paint & Glory“ bildete den Auftakt des ingesamt 25 Songs starken Sets. Die Bühne war immer noch in der Mitte abgehangen und gab den Blick auf den hinteren, höheren Bühnenteil nicht frei. Dort standen sie bereits, die Punkrocker, und preschten teils wild nach vorne, als der Vorhang schließlich fiel. Keine Frage, auch die Dropkick Murphys überzeugten. Ihr druckvolles Set wurde mit viel Power vorgetragen. Al Barr fegte ununterbrochen über die Bühne, dabei zog es ihn immer wieder auf die Boxen im Fotograben, quasi in Reichweite zu den ersten Reihen.

Keine Frage, die Musik der Murphys ist um einiges roher als die ihres Supports. Entsprechend dunkler gestaltete sich die Bühnenbeleuchtung, entsprechend mehr Crowdsurfer wurden von der Security aus dem Fotograben gefischt, entsprechend mehr Bierduschen wurden produziert, und, leider, entsprechend mehr wurden die Boxen aufgedreht. Leider deswegen, weil der Sound, der bei Flogging Molly noch ziemlich gut war, viel von der Qualität verlor. Ein typisches Problem der Westfalenhalle.

Aus Sicht der Band sicher unerwartet und auch unerfreulich, aber doch irgendwie lustig: In der Nacht nach dem Gig fand der Super Bowl statt. Klar sind die Murphys aus Boston Fans der New England Patriots. Lokalpatriotismus, logisch. Nun bat irgendwann zwischen den Songs Bassist Ken Casey darum, für die Patriots zu jubeln, hatte dabei aber nicht die Rechnung mit Fans aus dem Dortmunder Raum gemacht: Neben des erbetenen Jubels wurde gebuht, und das nicht zu knapp.

‚I’m Shipping Up to Boston‘ am Ende der zweiten Zugabe bildete den Schlusspunkt über einen insgesamt großartigen Konzertabend. Die Murphys bewiesen, dass auch die etwas ‚ruhigeren‘ Songs (‚First Class Loser‘, ‚Blood‘) des neuen Albums live gut funktionieren und durften sich freuen, den Super Bowl in Gänze genießen zu können. Auch wenn es nicht gut für die Bostoner Connection ausgehen sollte.

Bericht und Fotos: André Wilms

 

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